Der Andi und die Antifa am Abend

Antifa - Andreas Kemper - NICHT-Feminist

Eine Veranstaltung mit dem besseren Menschen.

Der Andi und die Antifa am Abend

Wolf Jacobs

Am kalten 3. März 2016 haben wir es gewagt. Wir, Bernhard Lassahn und ich, sind für einen Abend in eine „antifaschistische Höhle der Vielfalt“ gezogen. Thema des Höhlenabends war

Von Maskulinisten bis AfD. Ein Ein- und Überblick zum organisierten Antifeminismus in Deutschland.

Mit Eike Sanders und Andreas Kemper„.

Andreas Kemper - Maskulismus - Maskulinismus - Antifa - NICHT-FeministDie bunte vielgelobte Vielfalt wirkte zunächst langweilig, trist und eher schlecht gelaunt. Zumindest konnte man die meisten Menschen nach Geschlecht recht einfach sortieren. Ist doch auch schon einmal was.

Begrüßt wurden wir dann von einem Menschen der Antifa, der ohne seinen Antifapulli optisch völlig unauffällig gewesen wäre – Verkäufer bei Saturn oder ähnliches. Als Einführung stellte er zunächst Andreas Kemper und Eike Sanders vor. Spaßig: Er sprach den Nachnamen von Eike Sanders zunächst englisch aus. Er hatte sich offensichtlich sehr mit IHR beschäftigt. Sie ist eine deutsche Frau (evtl. auch eine Lann Hornscheidt.) (Laut Recherchen ist Eike (z. B. Immel) kein rein männlicher Vorname, sondern – eher selten – auch ein weiblicher Vorname – so habe ich dann doch noch etwas gelernt.)

Der Antifamensch stellte auch Andreas Kemper vor, der zunächst den Eindruck erweckte, ein paar Tage zu viel gefeiert zu haben. Diesen Eindruck machte er später allerdings wieder wett. Sprachlich war er recht auf der Höhe. Um das Inhaltliche geht es später. Er wurde als federführender Kritiker beschrieben, der diverse Aufsätze zu Maskulisten (oder Maskulinisten, wie der Antifamensch sagte) geschrieben hat.

Worum sollte es gehen?

Maskulinisten, »Lebensschützer«, »Demo für Alle«, AfD? What the fuck!

Wer ist überhaupt diese Männerrechtsbewegung? Was machen die »Lebensschützer« eigentlich, wenn sie nicht gerade bei ihrem »Marsch für das Leben« blockiert werden? Was hat das Ganze mit der AfD zu tun? Und wieso zum Teufel haben die alle so verharmlosende Namen?

Diese und viele weitere spannende Fragen hoffen wir bei der ersten Veranstaltung gemeinsam mit Andreas Kemper und dem Apabiz zu klären. Gewappnet mit dem neuen Wissen wollen wir in der zweiten Veranstaltung über linken und feministischen Widerstand diskutieren. Mit einem bunten Podium unterschiedlichster Gruppen wollen wir die verschiedenen Ansätze, Erfolge, aber auch Probleme unseres Umgangs mit dem organisierten Antifeminismus beleuchten — und hoffen anschließend mit vielen neuen Ideen in die kommenden Kämpfe zu ziehen.

Donnerstag, 3. März: Von Maskulinisten bis AfD. Ein Ein- und Überblick zum organisierten Antifeminismus in Deutschland. Mit Eike Sanders (apabiz) und Andreas Kemper.

Es war recht schwierig den Vorträgen von Eike Sanders und Andreas Kemper zu folgen. Sie sprachen viel, sagten umso weniger. Andreas Kemper verbesserte zunächst den Mensch von der Antifa in seiner Begriffswahl „Maskulinismus“. Andreas Kemper, der in seinen Anfangstagen den Begriff selber falsch verwendet hatte, definierte die Begriffe „Maskulist“ und „Maskulinist“- und machte es in beiden Fällen falsch. Der Antifa-Abgesandte ließ sich davon nicht in seiner Wortwahl „Maskulinist“ beeindrucken.

Am Anfang seines Vortrages durften alle einen ganz bösen Clip sehen. Einen Clip mit dem „Beelzebub“ Björn Höcke. Dieser hatte es tatsächlich gewagt und von Männlichkeit gesprochen. Männlichkeit gilt offenbar als untragbarer Begriff in Antifa-Kreisen. Weiblichkeit ist erstrebenswert, Männlichkeit hingegen die Inkarnation des reaktionären und rechten Gedankenguts. So einfach funktioniert die Welt in der antifaschistischen Höhle.

Björn Höcke hat „Männlichkeit“ gesagt! #Aufkreisch

An dieser Stelle funktionierte das Sitcom-Gelächter des Publikums bereits hervorragend. Das Lachen auf Knopfdruck oder eher auf Zuruf bestimmter Initiationsbegriffe sollte während der gesamten Veranstaltung hervorragend klappen. Für den ersten Schenkelklopfer war also gesorgt. „Männlichkeit!“ Interessant ist allerdings, dass sich die Antifa an Clips der ‚heute show‘ bedient.

Eike Sanders referiert über den „Marsch für das Leben„. Viel ist nicht hängengeblieben. Gemerkt habe ich mir nur die bösen Aspekte einiger Beteiligter des Marsches. Ein böser Aspekt ist es, wenn Kleiderkammern für Babysachen betrieben werden. In einer Kleiderkammer dürfen sich Bedürftige Dinge des täglichen Lebens besorgen.

Antifa-Klo - Refugees Welcome - NICHT-FeministReligionsfreiheit gilt nicht für jeden: Es wurde ausgeführt, dass Katholiken tatsächlich auch in Trance versinken und im Glauben auf die Knie fallen. (Immerhin geben sie dann ein gutes Ziel für Wurfgeschosse der Antifa ab.) Der Islam wird von der Antifa völlig anders beurteilt.

Es ging im Vortrag um Hassverbrechen, um Menschen, die Angestellte/Betreiber von Abtreibungskliniken in den USA ermordeten. (Der letzte Mord dieser Art fand anscheinend 2009 am Arzt George Tiller statt. Diese Taten gelten als Form des Terrorismus. Einen Zusammenhang mit dem Marsch für das Leben gibt es nicht.) Es ging ebenso um christliche Inhalte im Konfirmandenunterricht.

Skandal! Die CDU ist „ein Player“ in dem Spiel.

Weitere Aussagen von Eike Sanders
  • Die „Junge Freiheit“ ist eine extrem rechte Wochenzeitschrift.
  • Rechte Gruppierungen und Katholiken arbeiten zusammen.
  • Birgit Kelle ist antifeministisch.
  • Gabriele Kuby ist ebenfalls rechtsextrem.
  • Speziell in Deutschland kreuzt sich die Lebensbewegung mit völkischen Ideen.
  • Die weißen, christlichen Kinder sollen gerettet werden.

Hier wird einiges deutlich: Der Begriff rechts wird für alles verwendet, was nicht links ist. Der christliche Glaube ist böse. „Völkische Ideen“, was immer sich auch dahinter verstecken mag, sind ebenfalls böse. Weiße Kinder soll man wohl nicht retten. Zählt man diese Dinge zusammen, ist man bei den Antideutschen. Es ging im gesamten Vortrag darum, Dinge anhand ihres Oberbegriffs zu verurteilen und als rechts abzustempeln. Alles, was nicht passt, ist rechts.

Dann war Andreas Kemper an der Reihe. Er benutzte wieder den Ausdruck Maskulismus. Immerhin erkannte er die Motivation des „gemeinen Maskulisten“: Es ist die Gleichberechtigung. Das allerdings ließ er aber nicht gelten: Für Gleichberechtigung sind seiner Meinung nach ausschließlich der Feminismus und die Antifa zuständig. Aber kann denn ein einseitiger Blick zur Gleichberechtigung führen? (Dasselbe gilt für den Maskulismus.)

Weitere Aussagen von Andreas Kemper
  • Der Maskulismus sieht sich als Sprachpolizei.
  • Maskulismus sieht sich als Gegenbewegung zum Feminismus.
  • Die Väterrechtsbewegung dreht sich allein um das Unterhaltsrecht.
  • Die AfD ist ganz böse.
  • Das gelbe Forum ist ganz böse.
  • Der Maskulist sitzt ganz alleine vor seinem Rechner.
  • Es gibt sogar weibliche Maskulisten!
  • Die meisten Maskulisten sind frauenfeindlich!
  • Wer gegen den Feminismus ist, ist gegen Frauen!
  • Hedwig von Beverfoerde ist böse.
  • Beatrix von Storch: Böse!
  • Frauke Petry: Böse!
  • Wikimannia ist ganz böse.
  • Breivik hat ähnlich wie Männerrechtler argumentiert!
  • Patrick Lindner von der FDP ist ganz böse: Er lädt böse Menschen in den Landtag ein.
  • Biologie ist böse: Ulrich Kutschera! Axel Meyer!
  • Agens! Böse!
  • Genderkongress in Nürnberg! Böse!
  • Irgendwie muss Thilo Sarrazin auch genannt werden. Böse!
  • Vor allem: Arne Hoffmann ist ganz böse!

Weitere Namen kamen ebenfalls vor. Einige waren unbedeutend, andere mir unbekannt. Es wirkte so, als wollte Andreas Kemper möglichst viele Namen ins Spiel bringen. Insgesamt ist aus antifaschistischer Sicht ohnehin jede andere Sicht als die eigene zu verdammen.

Es lässt sich anhand seiner Ausführungen feststellen: Vieles ist böse. Warum so vieles böse ist, man hat es nicht erfahren. Einzig und allein an Arne Hoffmann hielt sich Andreas Kemper etwas länger auf. Hier allerdings erzählte er sehr viel Murks: Man muss schlechtes Essen nicht noch einmal aufkochen. Man kann über Arne Hoffmann denken, wie man will: Wenn man sich über Personen äußert, dann fundiert und wahrheitsgemäß. Damit hatte Andreas Kemper allerdings seine Sorgen und Nöte.

Er gab sich als Experte für die AfD aus. Daher war auch Zeit für die Verschwörungstheorie, dass die AfD aus Russlang finanziert wird.

Die AfD war insgesamt eins der Hauptthemen des Abends. Beatrix von Storch wurde als aristrokratisch und christlich fundamentalistisch beschrieben. Es mag sein, dass sie auch für christliche Werte steht. In einem Interview hat sie sich als demokratisch dargestellt.

In der anschließenden Fragerunde war das Hauptproblem, dass die grundsätzlich positiv besetzten Begriffe

  • Marsch für das Leben,
  • Lebensschützer,
  • Demo für alle etc.

mit negativen Begriffen der Antifa belegt werden sollten. An dieser Aufgabe scheiterte die Antifa. Sie erwähnten die „feministischen Anführungszeichen“, die man sich bei jeder Nennung, hinzu denken müsse. Weiter kam man nicht.

Es ist halt ein Problem, wenn man sich an positiv besetzten Dingen wie dem Recht auf Leben abarbeiten will.

Zwischendurch durfte immer wieder auf Stichwort gelacht werden.

  • Männlichkeit!
  • Männerrechtler setzen sich für Gleichberechtigung ein!
  • Väter wollen auch ihre Rechte!

Das alles hat Lacher im Publikum hervorgerufen. Na ja, wer sonst nichts zu lachen hat.

Fazit:
  • Aus Sicht von Eike Sanders, Andreas Kemper und der Antifa sind viele Dinge böse.
  • Die Ablehnung des Feminismus führt zur Frauenfeindlichkeit.
  • Wer die meisten Namen in seinem Vortrag nennen kann, gewinnt.
  • Wer mit den meisten Worten die wenigsten Argumente bringt, gewinnt ebenfalls.
  • Gelacht wird auf Stichwort.

Es ging um „name-dropping“, nicht um Argumente. Anschließend waren sich alle darüber einig, dass alles, was als „rechts“ bezeichnet wird, böse ist. Das hatten sie vorher auch schon gewusst.

Ergänzung Bernhard Lassahn

Die Sprecher der Antifa haben sich als Provinz-Heinis präsentiert, die gefangen sind von einer Denkweise, in der zuerst einmal nach der Zugehörigkeit und nach dem Arier-Ausweis gefragt wird und dann erst nach Gedanken, Meinungen und Argumenten. Sie handeln nach der Formel, die André Heller den Rechten zugeschrieben hat: Sie können das Denken nicht attackieren, deshalb attackieren sie den Denkenden.

Also: Sie nennen beispielsweise katholische Kreise und Bruderschaften (von denen vermutlich noch nie einer gehört hat), als wären das ausschlaggebende Kräfte. Sie tun so, als müsste man nur das Schimpfwort „katholisch“ sagen, schon hätte man das Konzept der traditionellen Familie ausreichend kritisiert. Sie haben offenbar noch nie davon gehört, dass es Familientraditionen auch außerhalb der Welt der katholischen Kirche gibt. Bei Frau von Storch wurde nur über ihre Herkunft informiert, nicht über ihre politische Position. Das ist reines Blut- und Bodendenken. Und sie bemerken es nicht einmal.

Dank an Bernhard Lassahn für das Ausmerzen sprachlichen Übels.

 

 

 

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16 Kommentare

2 Pings/Trackbacks

  1. 21. März 2016    

    Und die haben euch nicht raus geworfen? Da habt ihr aber Glück gehabt. Der Hadmut hat das schon anders erlebt.

    • Wolf Jacobs Wolf Jacobs
      21. März 2016    

      Och… Wie fühlen uns halt auf den meisten Parketten sicher. 😉 Du weißt, wie ich aussehe. 😉

    • Maesi Maesi
      23. März 2016    

      Hadmut wurde nur dann belästigt, wenn er selbst mit kritischen Fragen in die Diskussion eingriff. Wer kritische Fragen stellt an solchen Zusammenkünften von Glaubensgemeinschaften, der ist logischerweise verdächtig oder gar ein Feind. Ein oder zweimal wurde er meines Wissens auch an einer anderen Veranstaltung wiedererkannt. Mit der Zeit erlangt ein kritischer Frager in diesen relativ überschaubaren Kreisen von Gläubigen einen gewissen Bekanntheitsgrad. Das ist wohl unvermeidlich.

  2. 21. März 2016    

    Ehrlich gesagt, machen mir weder die Leute Sorgen, noch was sie sagen: Diese Würstchen schlagen wir nach dem jetzigen Stand locker.

    Was mir Sorgen macht, ist, daß wir keine Ahnung haben, wie wir die öffentliche Meinung zu unseren Gunsten drehen können und wie wir die üblichen Wertungen wie z.B. „Männlichkeit ist lächerlich“ oder „Väterrechte sind schlecht.“ von ihrem Thron stoßen können.

    • Wolf Jacobs Wolf Jacobs
      21. März 2016    

      Bedenklich ist, dass der Mainstream sich der Antifa angenähert hat. Männlichkeit ist in der Presse genauso lächerlich wie bei der Antifa.

      • 21. März 2016    

        Ja, hat mich auch gewundert.

        So langsam frage ich mich, ob ich die Dynamik des politischen Geschehens überhaupt noch verstehe.

        Auch die üblichen Verdächtigen wie Danisch, sciences files oder stadtmensch-chronicles helfen mir da nicht weiter.

        • 22. März 2016    

          Die Liste der von Andreas Kemper ausgemachten Feinde scheint ja immer länger zu werden. Also, positiv denken ;-). Wir werden irgend wann einmal die kritische Masse erreichen. Vor zehn Jahren hatten die wenigsten ihr Maul aufgerissen.

    • Maesi Maesi
      23. März 2016    

      @elmardiederichs

      „Ehrlich gesagt, machen mir weder die Leute Sorgen, noch was sie sagen: Diese Würstchen schlagen wir nach dem jetzigen Stand locker.“

      Kemper, Rosenbrock, Gesterkamp und andere sind sogenannte nützliche Idioten. Ihre Deutungsmacht ist gesellschaftlich gesehen gering. Ihr Daseinszweck besteht darin, die heterogenen Jünger der staatlichen Gleichstellungsideologie auf die offizielle Linie einzupeitschen. Wenn sie den Machthabern im Staat nicht mehr nützlich sein sollten, werden sie fallengelassen werden. Das ist für die Obrigkeit kein Problem, denn ohne staatliche Alimentation und Protektion wären Leute wie Kemper und Co. schlichtweg aufgeschmissen, weil sie dann einer wertschöpfenden Arbeit nachgehen müssten. Also werden sie als Günstlinge des politischen Systems schön brav und unterwürfig bleiben und eifrig danach trachten, diesem nützlich zu bleiben. Typischer politischer Klientelismus halt…

      Erhellend ist die Affäre Monika Ebeling. Sie war als Gleichstellungsbeauftragte Teil des Staatsfeminismus. Bei ihrer Einstellung als Gleichstellungsbeauftragte wurde aber wohl ihrem Widerspruchsgeist zu wenig Beachtung geschenkt. Als sie sich – wohl nach einer Metamorphose ihrer Ansichten zur offiziellen Gleichstellungspolitik – gegen das staatsfeministische System wandte, wurde sie sofort abgesägt und nicht nur aus ihrem Amt als Gleichstellungsbeauftragte sondern auch noch vom Posten als Kindergartenleiterin entfernt. Ihre wirtschaftliche Existenzgrundlage wurde somit zerstört, und sie musste sich erst wieder eine neue schaffen. Faktisch ist Frau Ebeling eine politische Dissidentin in diesem achso freien deutschen Staat. Ihr Exempel dient auch als Warnsignal an die Adresse der übrigen Gleichstellungsbeauftragten, nur immer schön loyal gegenüber der offiziellen Gleichstellungspolitik zu bleiben. Bestrafe einen, erziehe hunderte.

      Man sollte Ross und Reiter richtig benennen: Nicht der Feminismus hat irgendeine Gleichstellungspolitik gegen die Männer durchgedrückt, sondern die politischen Machthaber haben die Gleichstellungspolitik konzipiert und eine Gruppe von opportunistischen Getreuen (=Staatsfeministen) rekrutiert, um die Gleichstellungspolitik zu exekutieren. Aus dieser Perspektive gibt es genau einen politisch relevanten Feminismus: nämlich den Staatsfeminismus. Der wiederum ist keine in sich konsistente Ideologie sondern lediglich ein Herrschaftsinstrument, welches dazu dient die Untertanen zu spalten. Spalte und herrsche. Diese alte römische Maxime ist auch heute noch gültig.

      Wenn eine wie auch immer geartete Männerrechtsbewegung eine gewisse mediale Relevanz bekommen und damit auch eine gesellschaftliche Bekanntheit erlangen sollte, dann wird sie von den politischen Machthabern unterwandert werden. Hernach gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten: entweder die Organisation wird demontiert (siehe etwa die Piraten), oder aber sie wird politisch assimiliert (siehe die Grünen). Die Assimilierung erfolgt durch das Einschleusen von opportunistischen Systemagenten, die die angestammten Männerrechtler innerhalb der Organisation in die Defensive drängt; die altgedienten Männerrechtler werden dann vor die Entscheidung gestellt werden, entweder sich assimilieren zu lassen oder ausgestossen zu werden.

      Die AfD ist in dieser Hinsicht recht interessant. Offenbar konnte sie bisher nicht erfolgreich unterwandert werden; vielleicht wurde sie von den politischen Machthabern auch unterschätzt, und diese sind nun von der Dynamik der Landtagswahlen überrollt worden. Jedenfalls deuten die äusserst aggressiven Medien- und Politkampagnen darauf hin, dass das Machtkartell sich tatsächlich empfindlich herausgefordert fühlt und bislang noch kein Mittel gefunden hat, die AfD zu neutralisieren. Da müssen dann halt auch Kemper und Co. im Kampf gegen sie eingesetzt werden.

      • 23. März 2016    

        „Wenn eine wie auch immer geartete Männerrechtsbewegung eine gewisse mediale Relevanz bekommen und damit auch eine gesellschaftliche Bekanntheit erlangen sollte, dann wird sie von den politischen Machthabern unterwandert werden.“

        Ja, das Problem sehe ich auch kommen. Eine Lösung habe ich noch nicht.

  3. Hans Hans
    22. März 2016    

    Nicht nur die Veranstaltung war schwach, sondern auch dieser Artikel dazu.

    Stimmung des Publikums? Eure Beiträge, falls überhaupt?, oder welche aus dem Publikum?, Kontroversen?

    • Wolf Jacobs Wolf Jacobs
      22. März 2016    

      Immerhin hat es für diese Meinungsäußerung gereicht.

      Stimmung des Publikums? Wurde beantwortet.

      Kontroversen? Gibt es bei Sitcom-Gelächter auf Kommando wohl kaum.

      Unsere Beiträge zum Vortrag? Wir sind auch Lebensmüde. 😀

      Vielen Dank für Deinen hervorragenden Sachbeitrag.

    • 22. März 2016    

      Es gibt auch von Hadmut Danisch Berichte über vergleichbare Veranstaltungen. Da Andersdenkende zu diesen Veranstaltungen nicht eingeladen werden, gibt es dort eben auch keine Kontroversen.
      Pars pro toto:
      http://www.danisch.de/blog/2014/06/25/ein-boesartiger-vortrag-eines-boesartigen-professors/
      Das sind Selbstbestätigungsseminare…

  4. Philipp Philipp
    23. März 2016    

    „Am Anfang seines Vortrages durften alle einen ganz bösen Clip sehen. Einen Clip mit dem „Beelzebub“ Björn Höcke. Dieser hatte es tatsächlich gewagt und von Männlichkeit gesprochen. Männlichkeit gilt offenbar als untragbarer Begriff in Antifa-Kreisen. Weiblichkeit ist erstrebenswert, Männlichkeit hingegen die Inkarnation des reaktionären und rechten Gedankenguts. So einfach funktioniert die Welt in der antifaschistischen Höhle.“

    Wenn man sich Höckes Rede anhört, entsteht schon der Eindruck, dass er ein ziemlich unzeitgemäßes Männlichkeitsideal hochhält. „Und nur wenn wir mannhaft werden, werden wir wehrhaft!“ heißt es da z.B..
    Da verstehe ich dann schon, wenn die Antifa das kritisiert, denn von „Flink wie ein Windhund und hart wie kruppstahl“ ist eine solche Einstellung nicht mehr so weit entfernt. Ein solcher Appell an die Männlichkeit wurde über jahrhunderte immer wieder benutzt, um Männern schmackhaft zu machen, im Krieg ihr Leben für oft sehr zweifelhafte Zwecke zu opfern.

    Das Problem bei der Antifa und überhaupt in linken und pseudoprogressiven Kreisen (und zum Teil auch in der Medienwelt und Gesellschaft generell) ist aber, dass man nicht bei dieser überkommenden Männlichkeitsvorstellung halt macht, sondern alles, was irgendwie männlich ist, abwertet. „Toxic Masculinity“ ist da ja ein leitender Kampfbegriff:
    Männliches Selbstbewusstsein wird als Arroganz gesehen, männliches Wettbewerbsdenken und männliche Aggression (im Sinne von Antrieb) als potentiell gewalttätig und zerstörerisch, männliches Flirtverhalten als Belästigung, männliche Sexualität als objektifizierend. Darüber hinaus wird der Kapitalismus als „männlich“ identifiziert; alles schlechte an der Welt sei von Männern zu verantworten, da Frauen ja scheinbar in diesem Bild keinerlei Beitrag zur Gesellschaft leisten (können) usw..

    Ich denke für Jungen und Männer die mit dieser Männlichkeitsfeindlichkeit in der Gesellschaft groß werden, ist es oft schwierig ein positives männliches Selbstbild zu entwickeln. Es entsteht quasi ein Männlichkeitsvakuum – eine Lücke, die es zu füllen gilt – und in diese Lücke stößt dann u.a. die AfD mit einem, wie ich finde sehr überkommenden, Männlichkeitsbild, welches aber Männlichkeit zumindest positiv mit Stärke o.ä. besetzt.

    Wenn die Antifa clever wäre, würde sie der AfD das Wasser abgraben, indem sie moderne Männlichkeitsbegriffe kultiviert. Dafür müsste sie aber auf Männer wie Arne Hoffmann hören, anstatt diese auf dubiose Weise mit AfD und Co. in Verbindung zu bringen.
    Hier zeigt sich halt das extreme schwarz-weiß-Denken, was im Feminismus und in radikalen Ideologien generell zum tragen kommt: „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns.“ Es gibt kein Dazwischen. Entweder ist man emanzipatorischer Kämpfer für den intersektionellen Feminismus, der sich ob seiner Cisheteromännlichkeit selbst kasteit, oder man ist ein Nazi. Was ein Unsinn!

  5. […] einer Veranstaltung der Antifa wollte man die Einordnung von jeder unliebsamen Meinung in die Naziecke als lächerlich und albern […]

  6. […] besetzte Adjektive. Die Nennung ist wichtiger als die Begründung. Dies war auch schon auf einer Veranstaltung der Antifa der […]

  1. Feminismus akut: „Gegner*innenaufklärung“: Das Fazit - NICHT-Feminist on 7. Juni 2016 at 16:03
  2. Feminismus akut: „Gegner*innenaufklärung“: Ilse Lenz - NICHT-Feminist on 12. Juli 2016 at 20:29

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